Bevor es losgeht, ein ehrliches Geständnis: Als ich meine eigene Website mit genau dieser Liste geprüft habe, kam einiges zusammen. Widersprüchliche Zahlen zu meinen Projekten, englische Kundenstimmen von einer Plattform statt meiner deutschen Google-Bewertungen, mal „du“, mal „Sie“ – und eine Shop-Seitenleiste auf Seiten, auf denen gar nichts verkauft wird. Nichts davon war mir im Alltag aufgefallen. Genau deshalb lohnt sich so ein Check.
So gehst du vor
Nimm dir 30 Minuten, dein Handy und einen Zettel. Geh die Punkte der Reihe nach durch und notiere bei jedem: passt, passt nicht, weiß ich nicht. Am Ende hast du eine klare Liste, was zu tun ist – sortiert nach den drei Bereichen, die über Anfragen entscheiden: Wird man gefunden? Überzeugt die Seite? Kommt man leicht zur Anfrage?
Teil 1: Der erste Eindruck auf dem Handy
1. Verstehst du in drei Sekunden, was angeboten wird?
Öffne deine Website auf dem Handy und schau nur auf den ersten Bildschirm. Steht dort klar, was du machst und wo? „Willkommen auf unserer Website“ zählt nicht. „Dachdecker in Gedern – Reparatur, Sanierung, Neubau“ zählt.
2. Kannst du mit einem Tipp anrufen?
Die Telefonnummer muss auf dem Handy anklickbar sein und schnell auffindbar – am besten oben oder in einer festen Leiste. Bei einem Baumpflege-Betrieb, für den ich die Website gebaut habe, steht die Notfallnummer deshalb ganz oben: Wer einen umgestürzten Baum im Garten hat, sucht nicht lange.
3. Musst du zoomen oder seitlich wischen?
Wenn Text zu klein ist, Buttons zu eng liegen oder die Seite seitlich wackelt, ist sie nicht fürs Handy gebaut. Das kostet Besucher – und Google bewertet Websites vor allem nach ihrer Handy-Version. Mehr dazu im Artikel Mobile First.
4. Lädt die Seite schnell?
Teste deine Adresse kostenlos mit PageSpeed Insights von Google (pagespeed.web.dev). Schau auf die Handy-Auswertung. Rote Werte sind ein klares Signal. Was du dagegen tun kannst, steht in WordPress schneller machen.
Teil 2: Wirst du gefunden?
5. Taucht deine Website bei Google überhaupt auf?
Gib bei Google site:deine-domain.de ein. Du siehst, welche Seiten Google kennt. Fehlen wichtige Seiten oder tauchen alte, längst gelöschte auf, gibt es Handlungsbedarf.
6. Stimmen Titel und Beschreibung in den Suchergebnissen?
Was bei dieser Abfrage als blauer Titel und grauer Text erscheint, sehen auch deine Kunden. Steht dort nur der Firmenname oder „Startseite“, verschenkst du Klicks. Gut ist: Leistung + Ort + ein Grund, zu klicken.
7. Hat jede Seite eine klare Hauptüberschrift?
Jede Seite sollte genau eine Hauptüberschrift haben, die sagt, worum es geht. Bei einem Online-Shop habe ich einmal gesehen, dass als Überschrift live ein interner Entwurfsname stand – so etwas fällt im Alltag niemandem auf, Google aber schon.
8. Ist dein Google-Unternehmensprofil vollständig?
Bei Suchen wie „Elektriker in der Nähe“ zeigt Google zuerst die Karte. Prüfe: Stimmen Kategorie, Öffnungszeiten, Telefon und Website-Link? Gibt es aktuelle Fotos? Beantwortest du Bewertungen? Bei meinem eigenen Profil habe ich Beschreibung, Leistungen, Fotos und Antworten auf Bewertungen überarbeitet. Danach bin ich in Google Maps bei „Webdesign Büdingen“ von Platz 6 auf Platz 3 gestiegen und bei „Webdesigner Nidda“ von Platz 5 auf Platz 3.
9. Sind Name, Adresse und Telefon überall gleich?
Website, Google-Profil, Branchenbücher: Überall sollten dieselben Daten stehen. Wo du überall eingetragen bist, prüfst du mit dem Sichtbarkeits-Check.
Teil 3: Überzeugt die Seite?
10. Gibt es echte Beweise?
Fotos deiner Arbeit, echte Kundenstimmen, Referenzen. Stock-Fotos mit lächelnden Models wirken austauschbar. Deine Google-Bewertungen auf der Website zu zeigen, ist oft das Stärkste, was du hast.
11. Ist alles aktuell?
Ein „Aktuelles“ von vor drei Jahren, alte Preise, eine Jahreszahl im Footer von 2021 – das signalisiert: Hier kümmert sich niemand. Und es lässt Kunden zweifeln, ob es dich noch gibt.
12. Passen Zahlen und Aussagen zusammen?
Auf meiner alten Website standen an verschiedenen Stellen verschiedene Zahlen zu abgeschlossenen Projekten. Belegen konnte ich davon nur eine. Lieber eine kleinere, ehrliche Zahl als mehrere große, die sich widersprechen.
Teil 4: Kommt man leicht zur Anfrage?
13. Wie viele Klicks bis zur Anfrage?
Zähle von der Startseite bis zum Absenden einer Anfrage. Mehr als zwei Klicks sind zu viele. Ein Kontaktbutton gehört auf jede Seite – nicht nur auf „Kontakt“.
14. Funktioniert das Kontaktformular wirklich?
Schick dir selbst eine Testanfrage. Kommt sie an? Landet sie im Spam? Ein kaputtes Formular ist der teuerste Fehler, den eine Website haben kann – weil niemand ihn bemerkt.
Teil 5: Rechtliches und Technik
15. Impressum, Datenschutz, Cookie-Banner, Updates
Sind Impressum und Datenschutzerklärung von jeder Seite aus erreichbar und aktuell? Werden Cookies erst nach Zustimmung gesetzt? Und bei WordPress: Sind WordPress, Theme und Plugins auf dem neuesten Stand? Veraltete Plugins sind ein häufiges Einfallstor für Angreifer. Was eine regelmäßige Pflege umfasst, steht im Artikel Was gehört in einen Wartungsvertrag?.
Und jetzt?
Wenn du bei drei oder mehr Punkten „passt nicht“ notiert hast, verlierst du sehr wahrscheinlich Anfragen. Manches kannst du selbst beheben – Google-Profil ergänzen, Texte aktualisieren, Formular testen. Für Technik, Ladezeit und Struktur lohnt sich ein zweiter Blick vom Fachmann.
Häufige Fragen zum Website-Audit
Was kostet ein Website-Audit?
Mit dieser Checkliste nichts außer deiner Zeit. Bei mir gibt es außerdem den kostenlosen Website-Check mit drei konkreten Verbesserungen. Umfangreiche Agentur-Audits mit langen Berichten sind für kleine Betriebe meist nicht nötig.
Wie oft sollte ich meine Website prüfen?
Einmal im Jahr gründlich, und immer dann, wenn über die Website plötzlich weniger Anfragen kommen.
Welche Tools brauche ich?
Für die Grundlagen reichen dein Handy, Google selbst (site:-Abfrage) und PageSpeed Insights. Wer tiefer einsteigen will, richtet die kostenlose Google Search Console ein.
